Souvenir. 2005

Was den Touristen wie das Eldorado ihrer Einkaufslueste erscheint, stellt sich in den Augen von Bertram Kober als absurdes Theater dar. Die Buehnen sind die ueberquellenden Schaufenster und Regale der Laeden im Suedtiroler Groednertal. Die dortigen Holzschnitzer (Scultori) sind durch ihre Schnitzkunst seit vielen Jahrzehnten in ganz Europa bekannt. Ihre Madonnen, Herrgottfiguren und Heiligen haben Markencharakter. Einzeln erworben, dienen sie der ganz privaten Andacht. Ausgestellt werden sie jedoch als Massenware, haeufig ueber- und nebeneinander. Auch Klimtsche Liebespaare, Putti, Wurzelzwerge und Pinoccios werden untergemischt und erweitern so das kaeufliche Gemenge. Ueber Jahre schon hat Bertram Kober bei seinen Besuchen in den Orten des Tales diese Konstellationen wahr- und aufgenommen. Der Fotograf erweist sich, wie schon in frueheren Arbeiten (z.B. "Kulpoche" und "Legitime Aspekte des Alltags") als wacher Beobachter kultureller Verwerfungen. Denn als Teil der Warenwelt derart "vorgefuehrt", werden die Heiligen (und ihre Versprechen?) zur "kritischen Masse". Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat den Leipziger Fotografen weitergetrieben. Ihn verlangte es, mehr als nur in die Schaufenster und Laeden zu schauen.

Christine Dorothea Hoelzig
Auszug aus: Presseerklaerung zur Ausstellung "la scultura - Fotografien des Leipziger Kuenstlers Bertram Koberô in der "Burg galerie coiffeur". Leinfelden-Echterdingen. 16.4. 2005

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